Marktuntersuchung für IT- und Dienstleistungs-ÖPPs zeigt Potenziale für Deutschland
Effizientes Handeln tritt für die Verwaltung vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um die Verschuldung vieler europäischer Staaten immer mehr in den Vordergrund. Andererseits verstärken wichtige externe Einflussfaktoren wie die demografische Entwicklung, knappe Haushaltsmittel oder die Möglichkeit zur Optimierung von internen Prozessen mithilfe moderner (oftmals komplexer) Technologien den Bedarf an entsprechenden und langfristigen Projekten. Auf die Öffentliche Hand kommen zudem neue Aufgaben zu, die nur durch Implementierung und effiziente Anwendung modernster Technologien wie automatisierter Grenzkontrollanlagen, hochmoderner Videotechnik oder komplexer IT-Systeme bewältigt werden können.
Vor diesem Hintergrund bieten Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) eine Handlungsalternative, die unter Umständen zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit führt und die Verwaltung von Aufgaben entlastet, die ein privater Partner gleich gut oder besser hinsichtlich Zeit, Qualität und Kosten ausführen kann. Doch gerade im IT-Segment sind ÖPP in Deutschland weniger verbreitet und haben den Ruf, schwer steuerbar zu sein. Den Mangel an systematisch aufbereiteten Daten über deutsche ÖPP-Projekte im IT- und Dienstleistungsbereich sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu klassischen ÖPP sowie zu ÖPP in anderen europäischen Ländern behebt die jetzt vorgelegte Arbeit »ÖPP im IT- und Dienstleistungsbereich: Marktüberblick und kritische Erfolgsfaktoren«.
Der Band 5 der ÖPP-Schriftenreihe lenkt auf der Basis von 60 beantworteten Fragebögen, Interviewergebnissen aus zwölf Ländern sowie der Zusammenarbeit mit Organisationen aus 28 europäischen Ländern den Fokus auf folgende Kernergebnisse:
1. Eine Service-Partnerschaft unterscheidet sich von einer klassischen ÖPP durch einen veränderten, am Transformationsziel orientierten Lebenszyklus. Die eingesetzte IT wird aufgrund ihrer Schnelllebigkeit in der Regel in 3-Jahres-Ansätzen abgeschrieben und entsprechend zyklisch erneuert. Einer der wesentlichen Vorteile von Kooperationen mit der Privatwirtschaft liegt in der Möglichkeit, Risiken zu übertragen.
2. Ein kritischer Erfolgsfaktor, der sowohl bei klassischen ÖPP als auch bei Service-Partnerschaften eine wichtige Rolle spielt, ist die Ausgestaltung eines Anreizsystems in einem ÖPP-Projekt. Erfolgreiche europäische ÖPP-Projekte haben flexible Modelle zur Leistungs- und Erfolgsmessung geschaffen und wiesen eine hohe Identifikation und einen hohen Erfolgswillen der Beteiligten auf.
3. Aufgrund der kurzen Technologie- und Innovationszyklen ist die flexible Ausgestaltung und regelmäßige Anpassung der Partnerschaftsstrategie im IT- und Dienstleistungsbereich ein überlebenswichtiges Erfolgskriterium für ein ÖPP-Projekt.
4. Während durch Outsourcing weitgehend standardisierte Leistungen in einer kritischen Masse beschafft werden, bieten ÖPP die Möglichkeit, an den Auftraggeber angepasste Leistungen vertraglich zu vereinbaren und messbare Vorteile zu materialisieren.
5. Die in Deutschland betrachteten Projekte deuten noch auf einen Pilotcharakter hinsichtlich der Anbahnung und Umsetzung von ÖPP-Projekten im IT- und Dienstleistungsbereich hin. Die Erfahrungen aus Europa zeigen dagegen, dass durch zentralstaatliche Anreize die ÖPP-Umsetzung nachhaltig gefördert werden konnte. Leitfäden und Checklisten könnten hier einen zusätzlichen Stimulus zur Marktöffnung bieten.
Lesen Sie mehr zum Thema ÖPP im IT- und Dienstleistungsbereich in Deutschland und Europa in der neuen ÖPP-Schriftenreihe Band 5.

